Mein Bandscheiben-Tagebuch

Anfang November
Ich bemerkte einen Schmerz im rechten Lendenwirbelbereich, der dann in das rechte
Bein ausstrahlte. Da ich immer wieder mal Probleme mit meinem Ischias habe, deutete ich das als entzündeten Ischiasnerv. Ich „behandelte“ also mit Voltaren und Ibuprofen auf
eigene Faust. Es wurde leidlich besser aber dann auch wieder schlechter.

Mitte November
Da die Schmerzen nicht verschwanden und sich nun noch ein Kribbeln im rechten Fuss und der Wade einstellten, suchte im meinen Hausarzt auf. Der meinte „Ischias“ und gab mir in den folgenden Tagen die übliche Spritze in den Po. Es wurde dann wieder besser, aber die Schmerzen verschwanden nicht ganz. Auch Ibuprofen half nicht wirklich.

21. November
Abends war ich fast schmerzfrei und dachte, jetzt habe ich es geschafft. Bin an dem Tag
sogar wie zuvor Auto gefahren und war in der Firma.

22. November
Ich wache auf und habe unter der Dusche schreckliche Schmerzen im rechten Bein und kann nicht stehen. Ich habe mir sofort ein Stufenbett gebaut, was etwas Linderung verschafft hat. Ich bin dann unter großen Schmerzen dann sofort zu einem Orthopäden gefahren.
Der erkannte meine schlimme Lage und behandelte mich mit einer Spritze.
Die Schmerzen liessen nicht nach. Sein Verdacht: BSV im LWS. Er schickte mich nach
Hause mit Überweisung zum MRT und zur Krankengymnastik. Der Freitag war schlimm.
Keine Position verschaffte Linderung. Ich hatte Angst vor der Nacht.

WIE SOLLTE ICH SCHLAFEN?

Die einzige Position war auf dem Fussboden, also hartliegen.
Da waren die Schmerzen einigermaßen erträglich. Dann kam die Nacht und ich lag in
unserem Schlafzimmer vor unserem Bett auf einer Biwakmatte. Die Schmerzen im Bein waren nicht auszuhalten und ich bin gefühlt 50mal eingenickt und wieder wach geworden.

23. November
Ich schaute auf den Wecker. Es war 7:18 und ich war völlig durch den Wind.
Ich bat meine Frau den RTW zu rufen. Nach wenigen Minuten waren die Sanitäter da und
brachten mich ins Alfried-Krupp-Krankenhaus in Essen Steele.
In der Notaufnahme bekam ich zwei Infusionen mit starken Schmerzmitteln. Die Schmerzen ließen nach.

24. November
Der diensthabende Arzt bestätigt den Verdacht: BSV im LWS. Ich bekomme Schmerzmittel und die Schmerzen werden erträglich.

25. November
Der zuständige Orthopäde untersucht mich kurz und entscheidet, dass wir es erst mit der
CT Spritze probieren. Da ich keine motorischen Ausfälle habe und auch auf den
Zehenspitzen und Hacken laufen kann, bestehen sehr gute Chancen um eine OP herum
zukommen.
Nachmittags bekam ich die erste Spritze. Das rechte Bein wurde zwar kraftlos,
aber die Schmerzen waren weg.

26. November
Ich habe gut geschlafen. Im Moment kann ich zwar noch nicht laufen oder sitzen,
aber die Schmerzen sind deutlich weniger.

27. November
Ich kann alleine zur Toilette und mich waschen. Frühstücken kann ich fast im Sitzen.
Das Sitzen macht noch am meisten Probleme.
Am Nachmittag kam der Neurologe. Alle Reflexe sind da, Kraft habe ich auch und bewegen kann ich das Bein alleine. Sein Urteil: Das Taubheitsgefühl wird verschwinden.
Alles wird wieder gut.

28. November
Heute ist ein Festtag. Ich kann alleine duschen gehen. Ein Traum. Danach kam der Arzt
der mich spritzt und fragt, wann ich nach Hause möchte. Ich habe mich für zwei weitere
Spritzen entschieden und darf Samstag den 30. November nach Hause.
Ich glaube, ich habe nochmal Glück gehabt.

30. November
Nach dem Frühstück darf ich das Krankenhaus verlassen. Nach einer Woche gehe ich das
Mal wieder mehr als 100m. Ich hatte etwa Bedenken wegen der Autofahrt, aber es gib besser als ich dachte.
Das Wochenende verbringe ich weitgehend liegend auf der Couch. Ich kann kurze Wege gehen, aber dann benötige ich wieder eine Pause.

2. Dezember
Ich habe einen Termin bei meinen Orthopäden. Da ich selbst noch nicht Auto fahren kann, bringt mich meine Nachbarin in die Stadt. Das Sitzen und Laufen fällt mir schwer. In der Praxis angekommen (nach etwa 15min im Auto) muss ich mich erst mal sofort setzen. Das Stehen ist noch schmerzhaft. Mein Orthopäde schaut sich meinen Entlassungsbrief an und schreibt mich bis zum 20. Dezember krank. Er ist aber optimistisch, dass ich  mich vollständig erholen werde.

3. Dezember
Ich habe meine erste Physiotherapie. Ein guter Freund bringt mich dorthin. Die Praxis ist
nur wenige Minuten entfernt. Ich betrete die Praxis, kann kaum stehen und suche sofort
nach einer Liege. Das verdutzte Gesicht der Dame an der Theke war mir egal. Stehen ist
die Hölle. Aber nach wenigen Minuten liegen verschwinden die Schmerzen.

4.-6. Dezember
Ich verbringe die Tage zu Hause auf der Couch liegend. Ich erledige die wichtigsten Dinge
für die Firma mit dem Laptop auf dem Schoß. Aber ich stelle fest, dass ich immer länger
Sitzen kann und das Stehen nicht mehr so schmerzhaft ist. Das taube Gefühl in den Zehen
und in der rechten Wade bleibt unverändert. Die mittleren Zehen spüre ich kaum, aber
ich kann nach wie vor auf Zehenspritzen und Hacken laufen.

7. Dezember
Meine Frau fährt mich zur Physio. Ich kann schmerzfrei im Auto sitzen und betrete die Praxis stehend und ebenfalls weitgehend ohne Schmerzen. Es geht aufwärts.

9. Dezember
Ich habe mir viel vorgenommen. Die erste eigene Autofahrt nach etwa 2 1/2 Wochen. Ich bin nervös. Zuerst bringe ich meinen Sohn in die Schule (5min.) und fahre danach in unsere örtliche Schwimmhalle. Ich kann sitzen und laufen fast ohne Schmerzen. Mein erstes Schwimmtraining ist die reine Wonne. Nach einer Stunde steige ich aus dem Wasser, fühle mich gut, kann mich alleine Anziehen (Socken/Schuhe) und fahre entspannt nach Hause.

10. Dezember
Die gleiche Tour. Meinen Sohn in die Schule fahren und danach zum Schwimmen. Es klappt immer besser. Ich bin fast schmerzfrei.
Den Tag verbringe ich nicht mehr komplett auf der Couch, sondern bewege mich im Haus so wie es geht. Am Nachmittag beginnt mein rechter Fuss und die Zehen zu kribbeln. Ich habe das Gefühl, mein Fuss würde „aufwachen“ wollen. Das Taubheitsgefühl in den Zehen läßt spürbar nach. Heute ist ein guter Tag.

11. Dezember
Ich kann mich immer mehr bewegen. Sitzen und Liegen ist komplett schmerzfrei. Laufen kann ich noch nicht lange, aber auch das klappt besser.

12. Dezember
Ich habe wieder Physio. Ich fahre natürlich mit dem Auto und betrete die Praxis völlig
schmerzfrei. Ich bekomme das erste Mal eine Reizstromtherapie am rechten Unteschenkel. Ich habe das Gefühl, dass das Bein belebt wird.

13. Dezember
Heute habe ich mit was vorgenommen. Ich will in die Stadt und Weihnachtsgeschenke kaufen. Nach dem Schwimmen mache ich mich auf den Weg. Nach etwa einer Stunde in unserem Einkaufszentrum trete ich den Rückweg an. Mein rechter Fuss scheint wieder „einzuschlafen“ und ich will mich nicht überanstrengen. Als ich wieder zu Hause angekommen bin, lege ich mich etwas hin und alles normalisiert sich wieder.

14. Dezember
Heute mache ich mich um 07:30 auf zum Schwimmen und bringe auf dem Heimweg Brötchen mit. Alles klappt schmerzfrei. Allerdings bewege ich mich immer diszipliniert rückenschonend.
Meine Familie geht heute in die Stadt zum Shoppen. Da ich das noch nicht schaffe, entscheide ich mich für einen Besuch in einem orthopädischen Fachgeschäft. Ich informiere mich über Bürostühle und teste einige Modelle. Hier bekam ich einige wichtige Tips. Ein Sitzball eignet sich nicht, wenn der BSV noch frisch ist. Das Sitzen ist einfach zu instabil. Und die besten Chancen für eine Kostenbeteiligung für einen geeigneten Stuhl hat man bei der Deutschen Rentenversicherung. Der freundliche Verkäufer meinte, man bekommt etwa 430€ Zuschuss. Das klingt gut. Da werde ich
mich direkt darum kümmern.

Danach fahre ich zurück und mache Stop bei ATU. Ich suche nach einem Sitzkeil und entdecke eine sensationelle Lendenwirbelstütze fürs Auto. Sofort gekauft und ausprobiert. Eine super Unterstützung und natürlich wesentlich besser als meine Handtuchrolle. Heute ist ein guter Tag. Das Taubheitsgefühl in den Zehen läßt subjektiv weiter nach und ich kann mich schmerzfrei bewegen.

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